Voraussetzungen

Schulmanagement: Institutionelle Voraussetzungen
  • Antisemitismus ist ein Problem für die Institution Schule, das nicht allein von einzelnen Lehrpersonen oder in einzelnen Fächern bearbeitet werden kann. Wirksame Strategien brauchen eine institutionelle Verankerung, klare Zielsetzungen auf Leitungsebene, fächerübergreifende Zusammenarbeit im Kollegium sowie internen und externen Austausch und Unterstützung.
  • Strategien gegen antisemitische Gewalt können auf bestehende Konzepte und Ressourcen aufbauen. Seit dem Schuljahr 2024/2025 müssen alle Schulen ein Kinderschutzkonzept erstellen, dessen Ziel es ist, Kinder und Jugendliche besser vor körperlicher und psychischer Gewalt zu schützen. Die dafür entwickelten Strukturen und Prozesse können auch für den Umgang mit antisemitischen Übergriffen adaptiert werden.
Prüfen Sie die Voraussetzungen am Standort:

Es gibt ein verschriftlichtes Leitbild, das Antisemitismus (ebenso wie andere Formen von Diskriminierung und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit) klar benennt und verurteilt. Dieses Leitbild ist allen Beteiligten (Lehrpersonen, Schüler:innen, Eltern) bekannt und wird gelebt. Es manifestiert sich in etablierten Routinen und Praktiken.
Weitere Verbesserungen sind durch partizipative Prozesse stets möglich.

Es gibt ein übergeordnetes Case Management, in das sich Strategien zum Umgang mit antisemitischen Vorfällen integrieren lassen. Dieses ist allen Beteiligten bekannt.

Im Fall von Übergriffen gibt es Vertrauenslehrer:innen (mit finanzierten Zeitressourcen) und/oder spezifische Fachkräfte (etwa Schulpsycholog:innen). Diese Ansprechpersonen sind mit den Spezifika von Antisemitismus gegenüber anderen Diskriminierungsformen vertraut. Vertrauenslehrer:innen bzw. Fachkräfte sind allen Schulpartnern bekannt.

Es sind Mechanismen für Konfliktmanagement und Gewaltschutz in Kraft. Diese sind geeignet, um Antisemitismus zu bearbeiten. Es gibt klare und für die ganze Schulgemeinschaft transparente Richtlinien für den Umgang mit antisemitischen Übergriffen. Unter Umständen gibt es ein Interventionsteam (kleines Kollegium aus 3 bis 4 Lehrpersonen/Fachleuten), das bei Interventionen gegen Antisemitismus (aber auch anderen Formen von Diskriminierung) zusammenarbeitet.

Antisemitische (und andere diskriminierungsbezogene) Vorfälle werden transparent dokumentiert, schulintern gemeldet und zur kontinuierlichen Verbesserung von Richtlinien und Prozessen herangezogen.

Es gibt Räume und Ressourcen für die gemeinsame Reflexion der Schulkultur in Bezug auf (den Umgang mit) Antisemitismus für das gesamte Kollegium. Es wird ein Wir-Gefühl innerhalb der Schule gefördert, das Einzelpersonen darin bestärkt, bei Vorfällen einzuschreiten. Einzelne können sich darauf verlassen, dass ihnen das Schulteam den Rücken stärkt.

Die Einbindung externer Partner:innen (z.B. Gewaltprävention, offene Jugendarbeit) ist möglich. Dem Kollegium sind spezialisierte Beratungsmöglichkeiten bekannt, die beim Umgang mit antisemitischen Vorfällen und in der Prävention unterstützen.

Schulmanagement und Lehrpersonen: Persönliche Weiterbildung

ERINNERN:AT hat eine Themenseite mit Hilfestellungen zur Auseinandersetzung mit Antisemitismus in der Schule erstellt. Dort finden Pädagog:innen Hintergrundinformationen, Lernmaterialien sowie Workshop- und Fortbildungsangebote übersichtlich zusammengestellt.


Erweitern Sie Ihr Wissen zum Thema Antisemitismus, setzen Sie sich mit seiner Geschichte, seinen unterschiedlichen Formen, Funktionen und insbesondere seiner Re-Artikulation in Form des israelbezogenen Antisemitismus auseinander. Eine solide Wissensbasis ist Voraussetzung für sicheres Intervenieren.

Ein besonderes Bildungsangebot ist LIKRAT, das Dialogprogramm der Jugendabteilung der IKG Wien. In Begegnungen erzählen jüdische Jugendliche im Alter von 14+ über ihr persönliches Judentum. Darüberhinaus bietet LIKRAT auch Vernetzungstreffen und Workshops für (angehende) Lehrpersonen an.

Schulkultur: Vielfalt und Partizipation
  • Die Schule trägt der Diversität der Schüler:innen Rechnung – das umfasst beispielsweise die Gestaltung der Räume, die Auswahl von Lehr- und Lernmaterialien oder die Rücksichtnahme auf unterschiedliche religiöse Traditionen und Feiertage.
  • Die Erarbeitung eines diskriminierungssensiblen Leitbilds, das ausdrücklich die Ächtung von Antisemitismus umfasst, geschieht in einem partizipativen Prozess. So wird sichergestellt, dass alle Mitglieder der Schulgemeinschaft das Leitbild kennen und sich diesem verpflichtet fühlen.
  • Die Entwicklung einer diskriminierungssensiblen Diskussionskultur in jeder Klasse ist explizites Lernziel. Schüler:innen werden ermutigt, dafür auch selbst Verantwortung zu übernehmen.
  • Die Schule bietet Schüler:innen Räume, um über Diskriminierungserfahrungen (egal welcher Art) zu sprechen. Diese werden gehört und ernstgenommen. Schüler:innen werden zumindest darüber informiert, welche Konsequenzen die Institution Schule aus diesen Berichten zieht bzw. werden aktiv in die Entwicklung von Maßnahmen und Verbesserungen eingebunden.

Prozesse der Entwicklung eines diskriminierungs- und antisemitismussensiblen Leitbilds können sich u.a. an den untenstehenden Fragen orientieren. Wesentlich ist dabei, Antworten ausgehend von der aktuellen Praxis und mit Blick auf realistische Ziele in der nahen Zukunft zu entwickeln. Zielsetzungen müssen konkret definiert sein und umsetzbare Mechanismen sowie zur Verfügung stehende Ressourcen festhalten.

  • Welche Werte leiten das Zusammenarbeiten und -leben an der Schule an und wie werden diese in der Praxis sichtbar?
  • Wie wird der Vielfalt aller an der Schule Beteiligten im Alltag Rechnung getragen? Wie werden Räume für die Anerkennung und Reflexion von Erfahrungen mit Diskriminierung oder Exklusion geschaffen? Kann Privilegierung ohne Beschämung reflektiert werden?
  • Welche Ressourcen stehen Lehrpersonen für ihre Weiterbildung in Bezug auf Antisemitismus und andere Formen von Diskriminierung zur Verfügung? Welche diesbezüglichen Anforderungen stellt die Institution?
  • Welchen Stellenwert hat die Auseinandersetzung mit Diskriminierungen aller Art, gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit und/oder “Othering“ seitens der Schüler:innen? Positiv formuliert: Wie wird menschenrechtsbezogene Demokratiebildung konkret umgesetzt?

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